Feinstaubbekämpfung als Argument für die ELW auf dem Gehweg ?

Um es vorweg zu nehmen: Wiesbaden hat ein Stickoxid-Problem und weniger ein Feinstaub-Problem. Stickoxid lässt sich weder mit „Stuttgarter-Spezial-Kehrmaschinen“ und schon gar nicht mit „Wiesbadener-Normal-Kehrmaschinen“ bekämpfen. Im Gegenteil, die erhöhen sogar noch den Stickoxid-Anteil dort, wo sie gerade kehren. Warum ich das jetzt erwähne? Nun, so steht es als Argument pro ELW-Konzept im Gutachten vom Büro Schüllermann & Partner, das Dr. Franz bestellte.

(Bert Schnabel)

Foto: Max Kovalenko/Stadt Stuttgart

im Gutachten vom Büro Schüllermann & Partner wird mit dem Argument "Megatrend Mediterranisierung" das ELW-Konzept befürwortet. Denn mit mehr ELW und mehr Kehrmaschinen könne man auch den Feinstaub erfolgreich beseitigen. Dies zeige das Beispiel Stuttgart. Das ist nicht ganz richtig, sondern es gibt dort ein Pilotprojekt, das in die Verlängerung geht, weil man bislang keine eindeutigen Ergebnisse hat. Außerdem: Die ELW zieht sich flächendeckend aus der Fahrbahnreinigung zurück. Aber auf dem Gehweg mit zusätzlichen Kehrmaschinen und Laubbläsern wird sicher nicht der Feinstaub bekämpft, im Gegenteil.

 

Immerhin gibt es Experten, die darauf hinweisen, dass die regelmäßige Fahrbahnreinigung durchaus das wichtigste Mittel ist, um die Staubaufwirbelung zu vermeiden. Denn der Bremsen-, Reifen- und Straßenabrieb trägt zu 85% zum verkehrsbedingten Feinstaub bei und enthält einen schädlichen Cocktail aus Schwermetallen. Vgl. dazu den ZEIT-Artikel vom 17.2.2017.

 

 

Zum Stuttgarter Feldversuch, der wissenschaftlich begleitet wird: In Stuttgart hat man, um ein Fahrverbot wegen „Feinstaub“ zu vermeiden, rund um die Messstation am Neckartor mehrere Maßnahmen durchgeführt. Zum einem werden durch Warnschilder die Autofahrer*innen gebeten auf den ÖPNV umzusteigen. Das bringt natürlich fast nichts. Dann wurde ein Mooswand errichtet. Es wird angenommen, dass bestimmte Moosarten Feinstaub binden können. Da im März/April 2017 trotzdem ein Fahrverbot näher rückte, hatte man kurzfristig die Hilfe der Firmen Kärcher, Faun und Reuther in Anspruch genommen. Dieses Konsortium hatte Spezialkehrmaschinen entwickelt, die mit mehreren leistungsfähigen Hochdruckreinigern an Bord und extrem leistungsfähigen Saugern die Straße regelrecht „schrubben“. Das Wasser mit den darin enthaltenen Partikeln muss aufgesaugt und extra entsorgt werden. Begleitet wurde diese Säuberungsaktion, die über mehrere Wochen / Nächte ging, durch die DEKRA. Dazu wurde die Straße vollgesperrt. Der Bereich ist auch relativ klein, eigentlich nur um die Messstation herum. Auf dem Gehweg konnten diese Spezialmaschinen nicht eingesetzt werden.

 

Das Ergebnis war, dass die Werte, wo ein Fahrverbot hätte ausgesprochen werden müssen, nicht mehr erreicht wurden. Das hat aber nicht nur etwas mit dieser Aktion zu tun, sondern lag auch am Wetter. Denn an anderen Messstationen in Stuttgart wurden ebenfalls niedrigere Werte festgestellt. Da am Neckartor aber etwas bessere Werte vorlagen, nimmt man an, dass die Mooswand und das Reinigen mit diesen Spezial-Kehrmaschinen etwas bewirke. Es ist vorerst aber nur ein Indiz. Die DEKRA selbst äußert sich hier vorsichtig und spricht davon, dass man diesen Versuch weiter beobachten sollte. Diese Verlängerung wurde von der Stadt Stuttgart jetzt beschlossen.

 

 

Die Aktion kostete übrigens bislang 136.000,00 €. Gereinigt wurde ein sehr, sehr kleiner Straßenabschnitt, eben rund um die Messstation Neckartor. Der Realist schaut auf die Kosten:  Derartige Reinigungsaktionen würden den Geldbeutel jeder Stadt, egal ob Stuttgart oder Wiesbaden sprengen, besonders dann, wenn solche Reinigungsaktionen auch noch flächendeckend dort stattfinden sollten, wo der Verkehr sehr stark fließt und Feinstaub liegen bleibt …

 

 

Was lernen wir daraus?
Feinstaub zu bekämpfen mit der „Stuttgarter-Methode“ ist strittig, ist enorm teuer und zu guter Letzt ist diese Methode wehrlos gegen ein Wiesbadener Stickoxid-Problem. Ein Argument für die Gehwegreinigung durch die ELW ist es aber ganz sicher nicht.

 


Kommentar schreiben

Kommentare: 0