Die ELW will die Gebühreneinnahmen steigern, dabei sind die Gebühren für die Straßenreinigung sowieso schon Spitze im Vergleich zu anderen Kommunen!

Dr. Franz führt gerne den Städtevergleich an, wenn es um die Ausweitung der A-Reinigung oder um die Straßenmatrix geht. Was er nicht sagt: Im Vergleich zu anderen Städten sind die Wiesbadener Straßenreinigungsgebühren völlig überteuert. (Beitrag von: Monika Schnabel)

In den vom Ordnungsdezernat zum Vergleich angeführten Städten wie Dortmund, Mannheim, Ludwigshafen und Kaiserslautern sind die Gebühren für die kombinierte Fahrbahn- und Gehwegreinigung deutlich niedriger: Ein Vergleichsgrundstück von 1.000qm und 32 Frontmeter (analog Quadratwurzel) kostet bei 2x Fahrbahn- und Gehwegreinigung pro Woche in Wiesbaden 529 € p.a. In Dortmund gibt es dieselbe Leistung für nur 366 € p.a. Ähnlich Kaiserslautern. Nur Frankfurt ist ähnlich teuer wie Wiesbaden. In Berlin wiederum würde A2 für dasselbe Grundstück nur 276 € p.a. kosten, das ist fast die Hälfte. Und Berlin hat viel breitere Straßen und Gehwege als Wiesbaden, also mehr Reinigungsfläche.

 

Wie erklären sich die hohen Gebühren der ELW im Städtevergleich? Leider haben wir keinen Einblick in die betriebswirtschaftliche Kalkulation, doch gibt es Anhaltspunkte: Die Straßenreinigung ist grundsätzlich personalintensiv, insbesondere wenn wenig (gleichartige) Maschinen eingesetzt werden oder werden können.  Je mehr also "Handbetrieb", desto teurer. 

 

Je mehr Vielfalt an Straßen (mit/ohne Parkbuchten, mit/ohne Papierkörbe, mit/ohne Radwege, mit/ohne Straßenbäume, mit/ohne Grünstreifen, breite / schmale Gehwege, einseitiges / beidseitiges Parken, Gehweg- oder Fahrbahnparken, mit/ohne Sinkkasten, mal zuständig / mal nicht zuständig - desto schwieriger ist es, Standards beim Maschinen- und Personaleinsatz einzuführen und wirtschaftlicher zu arbeiten. Insbesondere die Gehwege zwingen zu höherem Maschinen- und Personaleinsatz, denn dafür braucht es extra Kehrmaschinen und extra Personal für den Kehrbereich.

 

Insofern ist die großzügige Umstellung auf die Gehwegreinigung u.E. ein Kostentreiber - während Dr. Franz den Wegfall von Schnittstellen als Ersparnis hervorhebt. Diese sind aber geringfügig gegen das schlechtere Kosten-Nutzen-Verhältnis, das die zusätzliche Gehwegreinigung bedeutet.

 

Aber ist Wiesbaden so besonders? Wir meinen nein.  Andere Kommunen können das offenbar  besser organisieren. Und die internen Kontrollen funktionieren auch besser: Denn dass die ELW zwar B2 oder A3 abrechnet, aber nur einmal oder nur zweimal reinigt, wie viele Bürger empört berichten, verteuert letztendlich die Gesamtleistung zusätzlich um 40 - 100% im Vergleich zu besser gesteuerten Eigenbetrieben.

 

Auch das Beispiel "Pariser Modell" illustriert, dass die ELW gerne die teure Variante wählt: Die Abschleppaktionen bedeuten erst mal Stillstand, Recherche nach dem Halter, Beauftragen und Warten auf den Abschleppwagen, nachträglich reinigen, Beschwerdebearbeitung anschließend usw. Weshalb dieser Aufwand, den letztlich alle Bürger bezahlen müssen? Woanders werden einfach Strafzettel ausgestellt und drumherum gereinigt - nach wenigen Wochen funktioniert das System, und jede Parkfläche ist mal dran. Oder es wird in bestimmten Straßen generell ein zeitlich begrenztes Parkverbot für bestimmte Wochentage und Tageszeiten ausgesprochen (erster Dienstag im Monat, 7-10 Uhr).

 

Hier fehlt es generell an Phantasie an betrieblich wirtschaftlichen Konzepten zu Gunsten der Bürger. Stattdessen wird die jetzt schon überteuerte kombinierte Fahrbahn- und Gehwegreinigung weiter ausgerollt auf saubere Gehwege, während die viel wirtschaftlicher zu erbringende reine Fahrbahnreinigung drastisch zurückgefahren wird. Der Eigenbetrieb wird somit ohne Bedarf aufgebläht zu Lasten der Bürger.


Kommentare: 2 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Duman (Mittwoch, 25 Mai 2016 10:49)

    Total richtig was hier geschrieben wird, nur abzoge von der Stadt und die Bürger für Dumm halten. Aber das die Bürger immer noch still halten ist interessant ‼️ daher macht die Stadt was die wollen.

    Gruss
    Duman

  • #2

    sousan (Montag, 29 August 2016 20:25)

    Die Autos werden abgeschleppt und man zahlt jede Menge Geld aber von Sauberkeit sieht man nichts.