Wollen tatsächlich 77% der Wiesbadener eine verbesserte Straßenreinigung?

ELW und Ordnungsdezernat berufen sich ständig darauf, dass 77% der Wiesbadener die Sauberkeit von Straßen und Plätzen zu den vordringlichsten Anliegen zählen.  Unser Faktencheck zeigt, dass das gar nicht stimmt, (Beitrag von: Wolfgang Seydel)

Aus mehreren Antworten der Mehrthemenerhebung „Leben in Wiesbaden“, Herbst 2014 lässt sich ableiten, dass die Wiesbadener größten Wert auf die Sauberkeit des Stadtbildes legen. Lt. dem Ergebnis aus Frage 9 sind 69% der Befragten damit weitestgehend zufrieden und lediglich 27,5% äußern sich unzufrieden. Da sich die Unzufriedenheit in erster Linie auf Bereiche wie ungepflegte Passagen und Unterführungen, Graffitischmierereien, überfüllte Müllbehälter, Beschädigungen, illegale Ablagerungen von Müll und Sperrmüll, Hundekot- und Taubenproblematik, städtische Dreckecken und anderes mehr bezieht, liegt die Unzufriedenheit, die letztlich den Teilbereich der verschmutzten Straßen und Plätze betrifft bei 10-15%, was sich auch indirekt aus verschiedenen Antworten ergibt.

 

In diesem Zusammenhang ist nicht nachzuvollziehen, dass gemäß dem Ergebnis aus Frage 26, 77% der Befragten Maßnahmen für die Sauberkeit von Straßen und Plätzen als besonders vordringlich und wichtig erachten. Das ist auch nicht der Fall, denn in dieser Frage ging es lediglich darum, bei jedem der 21 vorgegebenen Aufgabenfelder die Entscheidung zu treffen, ob eine Erledigung in Zukunft als wichtig oder weniger wichtig erachtet wird, ohne damit eine Bewertung über die tatsächliche Reinigungsnotwendigkeit abzugeben. Somit bedeutet das Ergebnis auch nicht, dass 77% den Sauberkeitszustand der Straßen und Plätze als schlecht bezeichnen und wünschen, dass er besonders vordringlich verbessert werden muss, so wie Stadtrat Dr. Franz und ELW es fälschlicherweise interpretiert haben.

 

Ferner ist bei Frage 26 irritierend, dass in der Zusammenstellung der 21 Aufgabenfelder nur der Teilaspekt der Sauberkeit von Straßen und Plätzen angeführt ist, während es ansonsten in der gesamten Umfrage ausschl. um die Sauberkeit des Stadtbildes geht. Ist dieser Bruch in der Umfragesystematik zufällig oder sollte in Verbindung mit der gezielten Fragestellung ein Grund geschaffen werden, die neue Straßenreinigungssatzung einzuführen?

 

Fazit ist, dass das Herausgreifen des Ergebnisses der Frage 26 ohne die genaue Fragestellung und auch ohne weitere Umfrageergebnisse zu berücksichtigen, zu einer fatalen Fehlinterpretation geführt hat, mit der Entscheidungsträger, Betroffene und die Öffentlichkeit massiv getäuscht wurden.


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